Rallye 2020

EUROPA-ORIENT-RALLYE IN DIE VEREINIGTEN EMIRATE
Tollkühn und verrückt mit Altwagen zur Völkerverständigung

Dubai, Abu Dabi, der heißeste Wüstensand und der Persische Golf – dies sind die voraussichtlichen Traumziele der letzten Etappen der Europa-Orient Rallye 2020. Doch zuvor sind schwere Etappen unter harten Rallyebedingungen nicht weniger spannend. Nach ein wenig Zivilisationseuropa in Deutschland und Österreich folgen die alle Balkanländer mit ihren unterschiedlichsten Kulturen und Menschen, bis nach vier Nächten in Zelt oder im Auto die Metropole am Bosporus, Istanbul, erreicht wird. In Asien geht es dann viele Kilometer weiter durch eine unbekannte Türkei, weit weg von Antalya uns Side, durch das hinterste Anatoliens bis zur iranischen Grenze. Orientalische Städte wie Tebris, Teheran, Esfahan und Bandaranaike Abbas sind die nächsten Ziele, bis der persische Golf erreicht wird. Die einzige, auf der Rallye zugelassene Fähre wird den Rallyetross dann in die Vereinigten Emirate bringen. Hier gibt es dann Wüsten-Sonderprüfungen.

DIe Rallye ist keine Luxusveranstaltung, ganz im Gegenteil: Die Fahrzeuge sind alt, denn Autos dürfen nicht mehr als 999,99 Euro kosten und für die teilnehmenden Motorräder können maximal 99 Cent pro Kubikzentimeter bezahlt werden. Übernachtet wird nur im Auto, im Zelt oder in Hotels, in denen die Nacht maximal 11,11 Euro kosten darf. Autobahnen und Navigationssysteme sind tabu. Nur Kompass und Landkarten sind erlaubt.
Sinn der Rallye soll neben dem Spaß und Abenteuer die Völkerverständigung sein. “Wir kümmern uns nicht groß um die Politik, denn sonst würde es die Rallye nicht seit fünfzehn Jahren geben”, sagt Rallyepräsident Wilfried Gehr. “Auch in unserem nahen Umfeld leben wir ohne religiöse oder politische Vorbehalte vor, wie es sein soll. In unserem Organisationskomitee haben wir Muslime, eine Jüdin, Christen beider Konfessionen und Leute, die nicht so richtig wissen, an wen sie glauben sollen. Das funktioniert sehr gut, weil wir alle wissen, dass die Menschen überall gut sind – wenn sich komische Politiker und fanatische Religionsleute raus halten.”

Weil die Europa Orient Rallye nicht immer durch politisch zuverlässige und kalkulierbare gegen im Mittleren und Nahen Osten führt, wissen die Veranstalter und Teilnehmer, dass unter Umständen spontan umgeplant werden muss. Dies, auch wenn vorher alle Genehmigungen vorliegen. So musste 2019 die Rallyestrecke sehr kurzfristig vom Iran in die Berge Georgiens verlegt werden, weil die USA am Tag der geplanten Einreise ihren Flugzeugträger im persischen Golf umgepackt haben. “So ist es halt”, meint Gehr, “nicht nur deshalb ist die Europa Orient eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt.